20.Aug. 2013

3. Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2009 an Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht

Anlässlich des 29. Erlanger Poetenfests (27. bis 30. August 2009) vergibt die Kulturstiftung Erlangen zum dritten Mal den "Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung". Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird in diesem Jahr gemeinsam an die Autoren und Übersetzer Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht verliehen. Die Jury des "Erlanger Literaturpreises für Poesie als Übersetzung" würdigt damit ihre Übersetzungen von Gertrude Steins "Tender Buttons – Zarte knöpft" (Barbara Köhler, 2004) und "Winning His Way – wie man seine art gewinnt" (Ulf Stolterfoht, 2005). Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht werden die Auszeichnung im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 29. Erlanger Poetenfests am Donnerstag, 27. August 2009, 20 Uhr, im Erlanger Markgrafentheater persönlich entgegennehmen.

"Gertrude Steins sinnoffene Poesie lässt zahlreiche Lesarten zu. Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht nehmen unterschiedliche Perspektiven auf die von ihnen übersetzten Texte ein, die sich gegenseitig ergänzen und in einem dialogischen Verhältnis zueinander stehen. 'Tender Buttons' ('Zarte knöpft') von 1914 ist einer der bekanntesten und am schwierigsten zu übersetzenden Texte von Gertrude Stein. Die kubistischen Prosaminiaturen widersetzen sich dem herkömmlichen Bedeutungspostulat. Barbara Köhler übersetzt die sinnliche Bewegung der Sprache, in der Klänge, Rhythmen und Bedeutungen frei flottieren. Indem sie das Bedeutungsspektrum der Wörter entfaltet, erweitert sie die vielfältigen Möglichkeiten der poetischen Sprache. Gertrude Steins Erzählgedicht über Dichtung 'Winning His Way' ('wie man seine art gewinnt') von 1931 steht formal zwischen den Prosastücken 'Tender Buttons' und den 'Stanzas in Meditation'. Gertrude Stein macht die Wörter zu ihrem eigenen Gegenstand. Sie schreibt Wörter über Wörter, die eine Welt aus Sprache erzeugen. Die Übersetzung von Ulf Stolterfoht ist eine Reflexion über die Verdinglichung der Sprache und die Entstehung einer rein poetischen Welt im Gedicht." (Aus der Begründung der Jury)

<p>Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht im Gespräch mit Michael Braun</p>

Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht im Gespräch mit Michael Braun

<p><span>Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht </span>lesen Gedichte von Gertrude Stein</p>

Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht lesen Gedichte von Gertrude Stein

<p>Laudator Benedikt Ledebur</p>

Laudator Benedikt Ledebur

<p>Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht</p>

Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht

<p><span>Susie Asado singt Gedichte von Gertrude Stein</span></p>

Susie Asado singt Gedichte von Gertrude Stein

<p>Susie Asado singt "Tintenlumpenhand"</p>

Susie Asado singt "Tintenlumpenhand"

Deutschland besitzt über tausend Literaturpreise, aber auffallend wenige Übersetzerpreise. Dieses Missverhältnis hat vor allem etwas mit dem immer noch mangelnden Bewusstsein dafür zu tun, dass der internationale Erfolg eines Buches wesentlich von der Qualität seiner Übersetzung abhängt. In dieser Situation hat sich das Erlanger Poetenfest die Förderung von Poesie als Übersetzung zur Aufgabe gemacht. Im Rahmen des 24. Erlanger Poetenfests wurden erstmals Autoren als Übersetzer eingeladen. Die Erlanger Übersetzerwerkstatt soll die Stellung der Übersetzer im Literaturbetrieb stärken. Mit der Übersetzerwerkstatt und dem Übersetzerpreis wollen das Erlanger Poetenfest und die Kulturstiftung Erlangen gemeinsam einen Markstein in der deutschen Literaturlandschaft setzen und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie sehr gerade Übersetzungen die deutschsprachige Gegenwartsliteratur bereichern. Die Jury des "Erlanger Literaturpreises für Poesie als Übersetzung" besteht selbst aus Übersetzern. Dieses bislang einzigartige Konzept verbürgt die herausragende sprachschöpferische Qualität der ausgezeichneten Arbeiten, unabhängig von der Nationalität der übersetzten Autoren. Der Jury gehörten in diesem Jahr an: Georges-Arthur Goldschmidt (Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2007), Annette Kopetzki, Adrian La Salvia (Jury-Sprecher), Benedikt Ledebur, Camilla Miglio, Peter Waterhouse, Norbert Wehr und Franz Josef Czernin (in beratender Funktion).